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Das Archivale des Monats

Lieber Besucher,

hier stellt Ihnen das Stadtarchiv jeden Monat ein anderes historisches Dokument aus seinen reichhaltigen Beständen vor. Viel Spaß beim Stöbern in der Stadtgeschichte.

Archivale Februar 2018

Akten sind ein zentraler – und meist auch ziemlich umfangreicher – Bestandteil der Überlieferung eines jeden Archivs. Auch das Stadtarchiv Traunstein ist reich mit ihnen gesegnet. Und wer nun mit dem eher trocken anmutenden Begriff für eine mehr oder minder umfangreiche Ansammlung von Schriftstücken zu einem bestimmten Vorgang sogleich das Attribut „langweilig“ verbindet, dem sei gesagt: Das Gegenteil ist der Fall! Akten sind für die Erforschung historischer Sachverhalte von entscheidender Bedeutung und oftmals deutlich aussagekräftiger als ihre weitaus bekannteren „großen Schwestern“, die Urkunden. Als Beispiel gewählt wurde, passend zur Jahreszeit, dieses Schreiben Kurfürst Maximilians an den Traunsteiner Pflegsverwalter Hans Paulus Ridler vom 27. Januar 1626. Es entstammt dem Bestand „Akten vor 1870“ und dort wiederum dem Akt „Volkskunde“ mit der Signatur A III 3/23 und der Laufzeit 1516 – 1655. Darin steht unter anderem zu lesen:

„Also wollen wür dür hiemit gnädigst, jedoch alles Ernsts, befolchen haben, das du nit allain durch die beraiths vorstehende, sonnder alle volgennder Jahren Fastnachtzeiten bis auf andere austruckhliche unnsere Verordnung in ganzem deinem anvertrauten Gericht alle Mascaraden, offene Tänntz unnd dergleichen Freydenspill durch offnen Brief also gennzlich abschaffest, das Schlittenfahren aber bei nechtlicher Weill niht lennger dann bia auf 8 Uhr, jedoch mit gebührender Bschaidenhait, auch ohne Spilleith, Poldern unnd Schreyens verstattest.“

Dies bedeutet in moderne Sprache übersetzt: Der bayerische Landesherr verbot bis auf weiteres sämtliche Faschingsaktivitäten sowie das überlaute nächtliche Schlittenfahren, das als Zerstreuung zu dieser Zeit sehr beliebt war. Hintergrund waren „allerhanndt gschwinde, gferliche Leiff, auch Theyrung, Khrankhheiten unnd anndere schwerliche Zuestenndt“ – kurz gesagt, die dramatischen Folgen des 30-jährigen Krieges. Man sollte daher „Gott den Allmechtingen umb Abwendung derselbigen und noch anderer villeicht zugewarrten habender Straffen inbrinstif vill mer zu erbitten, als etwan durch allerlay […] unnöttige, zur Leichtförttigkeit dienenten Khurzweill den gerechten, wolverdienten Zohrn Gottes noch merers zuerwöckhen unnd uf sich zuladen.“

Schreiben Kurfürst Maximilians an den Traunsteiner Pflegsverwalter Hans Paulus Ridler vom 27. Januar 1626
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